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Kultur Substrat Aussaat Schädlinge

1. Variante

Die eigene Aussaat von Kakteensamen ist eine der interessantesten Beschäftigungen des Kakteenliebhabers. Einerseits lässt sich auf diese Weise die Entwicklung vom Keimling zur erwachsenen Pflanze genau beobachten. Man erhält bei einer Aussat die ganze Streubreite der genetischen Vielfalt der Elternpflanzen in Form der Nachkommen. Für eine weitere generative Vermehrung sollte deshalb auch immer eine größere Anzahl von Pflanzen verwendet werden, um diese Streubreite der Erbanlagen zu erhalten. Ansonsten werden über mehrere Generationen in künstlicher Vermehrung natürlich für den Liebhaber interessante Formen herausgezüchtet (z. B. Bestäubung der Pflanzen mit den längsten Dornen). Andererseits kann durch die Vielzahl der erhaltenen Sämlinge ein Austausch mit anderen Kakteenliebhabern erfolgen.

Wichtig ist zunächst die Auswahl des Saatguts. Es gibt es viele kommerzielle Anbieter von Saatgut. Die wirklich herausragenden Anbieter sind aber dünn gesät. Die Herkunft des Saatguts sollte genau definiert sein. Daneben verbreiten auch viele private Kakteenliebhaber Samen. Die Erfolgsquote kann dabei oft höher sein, da das Saatgut fast immer frisch sein wird. Hier Anbieter, die ich bestens empehlen kann:

www.succseed.com www.adblps-graines-cactus.com www.cactus-aventures.com

Das Saatgut sollte vor der Aussaat unbedingt gebeizt werden, um den gefährlichen Vermehrungspilzen vorzubeugen, die schnell eine ganze Aussaat vernichten können. Als Trockenbeizmittel verwende ich Aatiram®. Dieses Mittel ist überall im Zubehörhandel erhältlich, z. B. hier: www.kakteen-schwarz.de

Zum Beizen streut man eine Menge von etwa dem Doppelten bis Dreifachen einer Steckkopfnadelgröße in eine leere Samentüte. Dorthinein kommen anschließend die Samenkörner. Die Samentüte wird durch zweimaliges Falzen verschlossen, kräftig geschüttelt und danach können die Samenkörner durch vorsichtiges "Klopfen" an der Tüte herausgeschüttelt werden. Sie sind dann mit einer nur hauchdünnen Schicht "eingepudert". Das reicht aber vollkommen aus.

Nun können die Samen auf das Aussaatsubstrat gegeben werden. Hier gibt es ähnlich wie beim Kultursubstrat für die größeren Pflanzen die unterschiedlichsten Möglichkeiten.

Ich verwende seit ein paar Jahren auch für die Aussaat das gleiche Standard-Substrat wie für alle meine erwachsenen Pflanzen. Nur in der obersten Schicht sind die ganz groben Bestandteile (größer als 5 mm) herausgesiebt, damit die feinen Samen nicht so tiefen fallen. Bewährt hat sich eine Mischung zu gleichen Teilen aus

  • handelsfertiger Blumenerde, angereichert mit Guano
  • gut verwitterter Lehm
  • Granodiorit, Körnung 1 - 3 mm
  • Katzenstreu (Sepiolith)

Das Wachstum in diesem Substrat ist ausgezeichnet, die Keimrate ebenfalls.

Die Samenkörner lege ich im Abstand des Durchmessers der Samenkörner meistens einzeln mit einer Pinzette auf das Substrat! So passen bei mir in einen Topf von 7 x 7cm 300 bis 400 Samen (je nach Größe)! Das hat verschiedene Vorteile: einerseits wachsen die kleinen Sämlinge bei geringem Abstand einfach besser und anderserseits können auf einer kleinen Fläche sehr viele verschiedene Arten ausgesät werden.

Anschließend wird mit destilliertem Wasser (keimfrei) angestaut, bis das Substrat gut durchfeuchtet ist. Die Töpfe mit der Aussaat (bei mir in kleinen Plasteboxen, sonst auch mit anderer Abdeckung) kommen nun im Abstand von etwa 1 cm unter Leuchtsstoffröhren. Diese werden 10-12 Stunden am Tag eingeschaltet. So wird eine Temperatur von 25 - 30°C in den Aussaat-Boxen sicher gestellt und gleichzeitig eine sehr hohe Lichtintensität erreicht. Nachts kühlen die Aussaaten bei ausgeschaltetem Licht auf 15-18°C ab.

Meistens erfolgt die erste Keimung bereits nach wenigen Tagen. Sobald sich die ersten Dornen zeigen, wird nach und nach die Abdeckung der Aussaattöpfe entfernt (erst wenige Stunden am Tag, dann immer länger). Nun muss auch ggf. ein weiteres Mal mit destilliertem Wasser das Substrat angefeuchtet werden. Nach mehreren Wochen kann auch einmal das Substrat fast ganz austrocknen. Die kleinen Sämlingen schrumpfen dann zwar etwas, nach einem weiteren Gießen setzt aber um so schnelleres Wachstum ein. Nach 6-8 Wochen wird pikiert (Substrat und Methode wie bei der Aussaat).

Bei einer Aussaat im November kann Ende Januar/Anfang Februar bereits eine erste Ruhephase eingeschoben werden, in der das Wachstum der Sämlinge weitgehend eingestellt wird. Sie müssen dann nicht mehr künstlich beleuchtet werden und kommen in einen Raum mit einer Temperatur von 15-18°C, wo sie im Abstand von 2 Wochen etwas Wasser erhalten.

Mit Beginn des Wachstums im Frühjahr können die inzwischen meistens bereits 1 - 2cm großen Sämlinge in das normale Kultursubstrat pikiert werden.

Hier soll nun Schritt für Schritt die Aussaat in Bildern dokumentiert werden:

eine Woche nach Aussaat , zwei Wochen nach der Aussaat, drei Wochen nach der Aussaat,

Sämlinge, 6 Wochen nach der Aussaat unter Kunstlicht (4 Leuchtstoffröhren von 8 W im Abstand von 2 - 3 cm)!

Sämlinge - 4 Monate nach der Aussaat (pikiert in normales Substrat)

2. Variante

Eine andere Methode ist möglicherweise viel einfacher zu handhaben und führt zu einem mindestens genauso guten Erfolg. Zunächst muss das Saatgut beschafft werden. Die besten Erfolge werden mit Samen erzielt, den man in der eigenen Sammlung ernten konnte. Gerade bei Pflanzen, die man per Aussaat neu in seine Sammlung aufnehmen möchte, wird man aber natürlich auf andere Quellen zurückgreifen müssen. Der Samen muss gut ausgereift, sauber und unbeschädigt sein (mit einer Lupe kontrollieren!).

Dann geht es an die Herstellung des Aussaatsubstrats. Dabei hat sich herausgestellt, dass für die meisten Kakteenarten der pH-Wert mit Abstand die wichtigste Kenngröße sowohl bei der Aussaat als auch bei einer erfolgreichen Kultur ist.

  • Rhododenrenerde (pH-Wert 4 - 4,5), 2 Teile,
  • Bims, 1 Teil,
  • Granodiorit, 1 Teil

Dieses Substrat, gut durchgemischt und leicht feucht wird in saubere, unbenutzte (!!!) Plastiktöpfe gefüllt. Der Topf wird mehrmals auf eine feste Unterlage (Tisch) gestoßen, damit sich das Substrat setzen kann. Anschließend wird solange Substrat weiter aufgefüllt, bis der Topf randvoll ist. Die Substratoberfläche wird glatt gedrückt, so dass sie etwa 3 - 5 mm unterhalb der Topfkante liegt.

Jetzt wird der Topf in Felder eingeteilt, sofern man mehrere Arten in einem Topf aussäen möchte. Die entsprechenden Felder werden mit sauberen, neuen Etiketten beschriftet (sehr wichtig!). Nun werden die Samen zwischen den Fingern vorsichtig auf der Substratoberfläche im jeweiligen Feld verteilt. Größere Samen sollten leicht in das Substrat eingedrückt werden. Nun wird vorsichtig mit sauberem, in Regenwasser ausgewaschenem Quarzkies (Körnung 2- 3 mm) das Ganze mit einer Schicht abgestreut. Die Töpfe kommen in durchsichtige Plastikbeutel, etwas Regenwasser (!) wird jeweils unten in den Beutel hinzugegeben. Der Plastikbeutel wird "aufgeblasen" und verschlossen und an einen hellen (nicht vollsonnigen) Platz gestellt. Die Keimdauer ist je nach Art unterschiedlich. Wenn die aufgelaufenen Sämlinge zu sehen sind und erste Dornen bilden, wird jeden Tag ein paar mehr Stunden gelüftet. Nach einer Woche bleibt der Beutel ganz offen und der Topf kann entnommen werden. Nun müssen die Sämlinge beobachtet werden und können nach einem Tag mit oberflächlich abgetrocknetem Substrat wieder gegossen werden (von oben, ganz vorsichtig mit frischem Regenwasser). Die folgenden Bilder verdeutlichen das Ganze:

Bild 1 - Aussaat; Bild 2, 3 und 4 - 10 Wochen nach der Aussaat

Bild 5, 6 und 7 - 18 Wochen nach der Aussaat vor Beginn der "Winterruhe"

Also: niedriger pH-Wert des Substrats, frisches Regenwasser und keine "Chemie" führen hier genauso gut zum Erfolg!